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Aminospiking: Was es ist und wie du Proteinqualität erkennst

7 min Lesezeit

Was ist Aminospiking?

Aminospiking ist eine Praxis, bei der Hersteller billige Einzelaminosäuren zu Proteinpulvern hinzufügen, um den deklarierten Proteingehalt künstlich zu erhöhen. Typische “Spiking”-Aminosäuren sind Glycin, Taurin oder Kreatin. Aminospiking ist eine von mehreren fragwürdigen Praktiken in der Supplement-Industrie. Eine weitere ist Fairy Dusting (Unterdosierung von Wirkstoffen).

Warum funktioniert das?

Der Proteingehalt wird in der Schweiz aus dem Gesamtstickstoff berechnet: Eiweiss = Gesamtstickstoff (nach Kjeldahl) × 6,25 (LIV, Anhang 1 Ziffer 19). Die Stickstoffbestimmung kann nicht zwischen Stickstoff aus Protein und Stickstoff aus anderen Quellen unterscheiden. Das Problem: Auch freie Aminosäuren enthalten Stickstoff und werden daher mitgezählt, obwohl sie kein vollwertiges Protein darstellen.

Das Resultat: Ein Etikett zeigt beispielsweise 25g Protein pro Portion, aber ein relevanter Teil davon stammt nicht aus der eigentlichen Proteinquelle, sondern aus zugesetzten Einzelaminosäuren.

Warum ist Aminospiking ein Problem für die Proteinqualität?

Aminospiking verfälscht den tatsächlichen Proteingehalt eines Produkts, führt zu einem unvollständigen Aminosäureprofil und senkt den Anteil essentieller Aminosäuren am deklarierten Protein. Du zahlst für vollwertiges Protein, erhältst aber teilweise billige Einzelaminosäuren.

Unvollständiges Aminosäureprofil

Der Gehalt an essentiellen Aminosäuren unterscheidet sich je nach Proteinquelle deutlich: Erbsenprotein enthält vergleichsweise wenig Methionin, Hanfprotein wenig Lysin. Durch die Kombination mehrerer Quellen lässt sich das Profil ausgleichen. Wenn ein Teil des «Proteins» aus reinem Glycin oder Taurin besteht, sinkt der Anteil der übrigen essentiellen Aminosäuren, etwa von Leucin, am deklarierten Protein.

Geringere Proteinqualität

Die Qualität eines Proteins hängt nicht nur von der Menge ab, sondern von Menge und Verhältnis der unentbehrlichen Aminosäuren, von der Verdaulichkeit und von der Verfügbarkeit der Aminosäuren (FAO 2013). Ein Protein, das den Aminosäurebedarf schlechter deckt, wird weniger gut verwertet.

Weniger Protein für dein Geld

Der deklarierte Proteingehalt entspricht nicht dem tatsächlichen vollwertigen Protein im Produkt. Bei einem 1kg-Beutel summiert sich der Unterschied schnell.

Gut zu wissen: Dass die Summe aller Aminosäuren auf einem Analysezertifikat etwas tiefer liegt als der deklarierte Gesamtproteingehalt, ist normal. Der Umrechnungsfaktor 6,25 kann den Proteingehalt je nach Lebensmittel um bis zu 9 % überschätzen (FAO 2003), und einzelne Aminosäuren wie Tryptophan werden bei der Hydrolyse teilweise zerstört (Adebiyi et al. 2005). Eine kleine Differenz ist daher für sich allein kein Anzeichen für Aminospiking. Verdächtig wird es erst, wenn billige Einzelaminosäuren separat in der Zutatenliste auftauchen.

Wie erkennt man Aminospiking?

1. Zutatenliste genau prüfen

Achte auf diese Warnzeichen:

  • Glycin als separate Zutat (nicht als Teil eines Proteins)
  • Taurin in Proteinpulvern (gehört dort nicht hin)
  • L-Glutamin in grossen Mengen
  • Kreatin als Füllstoff

Wichtig: In einem hochwertigen Proteinpulver sollte die Zutatenliste kurz und nachvollziehbar sein: die Proteinquelle (z.B. Erbsenprotein, Hanfprotein), weitere Zutaten mit erkennbarem Zweck, eventuell natürliche Aromen.

2. Aminosäureprofil anfordern

Seriöse Hersteller veröffentlichen das vollständige Aminosäureprofil ihrer Produkte. Das Profil unterscheidet sich je nach Proteinquelle deutlich: Der Leucingehalt pflanzlicher Proteinisolate liegt zwischen 5,1 % (Hanf) und 13,5 % (Mais) des Proteins (Gorissen et al. 2018). Vergleiche das Profil deshalb mit der deklarierten Proteinquelle.

Wenn ein Hersteller kein Aminosäureprofil bereitstellt, ist das ein Warnsignal.

3. Preis als Indikator

Hochwertige Proteinquellen haben einen Marktpreis - das gilt für pflanzliche Proteine genauso wie für tierische. Wenn ein Produkt deutlich günstiger ist als die Konkurrenz bei gleichem deklariertem Proteingehalt, solltest du misstrauisch werden. Einzelaminosäuren sind günstiger als echte Proteinrohstoffe.

4. Herkunft prüfen

Frage nach: Woher stammt das Protein? Wer produziert den Rohstoff? Gibt es Bio-Zertifizierungen? Transparente Hersteller können diese Fragen beantworten und die Lieferkette offenlegen.

Rechtliche Lage

In der Schweiz

Das Schweizer Lebensmittelrecht (Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung, LGV) verbietet die Täuschung von Konsumenten. Nach Artikel 12 Absatz 1 LGV (Täuschungsverbot) müssen Bezeichnungen, Angaben, Aufmachung, Werbung und Informationen über Lebensmittel den Tatsachen entsprechen und dürfen nicht zur Täuschung namentlich über die Zusammensetzung und den Inhalt Anlass geben.

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LIV) berechnet den Eiweissgehalt aus dem Gesamtstickstoff (Anhang 1 Ziffer 19).

In der EU

Die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 über die Information der Verbraucher über Lebensmittel verlangt ebenfalls, dass Informationen über Lebensmittel nicht irreführend sind. Die Bestimmung des Gesamtstickstoffs kann Stickstoff aus Protein nicht von Stickstoff aus anderen Quellen unterscheiden. Der Nachweis zugesetzter Einzelaminosäuren erfordert deshalb zusätzliche Analyseverfahren (Lukacs et al. 2024).

Was zeichnet ein hochwertiges Protein aus?

  1. Transparentes Aminosäureprofil - Der Hersteller veröffentlicht die genaue Zusammensetzung
  2. Kurze Zutatenliste: Proteinquelle, weitere Zutaten mit erkennbarem Zweck, eventuell natürliche Aromen
  3. Nachvollziehbare Herkunft - Klare Angaben zur Proteinquelle und Lieferkette
  4. Realistischer Preis - Qualität hat ihren Preis
  5. Zertifizierungen - Bio-Siegel, Laboranalysen oder unabhängige Tests von Dritten

Fazit

Aminospiking mindert die Qualität des Proteins. Deklarierte Einzelaminosäuren erkennst du an der Zutatenliste, nicht deklarierte Zusätze zeigen sich erst bei zusätzlichen Laboranalysen.

Achte auf Transparenz: Ein Hersteller, der nichts zu verbergen hat, zeigt dir genau, was in seinem Produkt steckt.

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Quellen:

  • Lukacs M, Zaukuu JZ, Bazar G, Pollner B, Fodor M, Kovacs Z (2024). Comparison of Multiple NIR Spectrometers for Detecting Low-Concentration Nitrogen-Based Adulteration in Protein Powders. Molecules, 29(4), 781. DOI: 10.3390/molecules29040781
  • Jiao X, Meng Y, Wang K, Huang W, Li N, Liu TC (2019). Rapid Detection of Adulterants in Whey Protein Supplement by Raman Spectroscopy Combined with Multivariate Analysis. Molecules, 24(10), 1889. DOI: 10.3390/molecules24101889
  • Topal BN, Caglar-Andac S (2026). Counterfeiting in Protein Supplement: Spectroscopic and Chromatographic Analysis. Critical Reviews in Analytical Chemistry, 56(5), 1453-1465. Online 29.04.2025. DOI: 10.1080/10408347.2025.2496502
  • Faller AC, Arunachalam T, Shanmughanandhan D, Kesanakurti P, Shehata HR, Ragupathy S, Newmaster SG (2019). Investigating appropriate molecular and chemical methods for ingredient identity testing of plant-based protein powder dietary supplements. Scientific Reports, 9, 12130. DOI: 10.1038/s41598-019-48467-9
  • Gorissen SHM, Crombag JJR, Senden JMG, Waterval WAH, Bierau J, Verdijk LB, van Loon LJC (2018). Protein content and amino acid composition of commercially available plant-based protein isolates. Amino Acids, 50(12), 1685-1695. DOI: 10.1007/s00726-018-2640-5
  • House JD, Neufeld J, Leson G (2010). Evaluating the quality of protein from hemp seed (Cannabis sativa L.) products through the use of the protein digestibility-corrected amino acid score method. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 58(22), 11801-11807. DOI: 10.1021/jf102636b
  • Adebiyi AP, Jin DH, Ogawa T, Muramoto K (2005). Acid hydrolysis of protein in a microcapillary tube for the recovery of tryptophan. Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry, 69(1), 255-257. DOI: 10.1271/bbb.69.255
  • Mariotti F, Tomé D, Mirand PP (2008). Converting nitrogen into protein - beyond 6.25 and Jones’ factors. Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 48(2), 177-184. DOI: 10.1080/10408390701279749
  • FAO (2003). Food energy - methods of analysis and conversion factors. Report of a Technical Workshop, Rome, 3-6 December 2002. FAO Food and Nutrition Paper 77. Rome.
  • FAO (2013). Dietary protein quality evaluation in human nutrition. Report of an FAO Expert Consultation, Auckland, New Zealand, 31 March-2 April 2011. FAO Food and Nutrition Paper 92. Rome.
  • Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, ABl. L 304 vom 22.11.2011, S. 18.
  • Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) vom 16. Dezember 2016 (SR 817.02), Art. 12 Täuschungsverbot, Stand 1. Juli 2025.
  • Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV) vom 16. Dezember 2016 (SR 817.022.16), Anhang 1 Ziff. 19, Stand 1. Juli 2025.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Aminospiking bei Proteinpulvern?
Aminospiking ist eine Praxis, bei der Hersteller billige Einzelaminosäuren (Glycin, Taurin, Kreatin) zu Proteinpulvern hinzufügen, um den deklarierten Proteingehalt künstlich zu erhöhen. Der Proteingehalt wird in der Schweiz aus dem Gesamtstickstoff (nach Kjeldahl) berechnet. Auch freie Aminosäuren enthalten Stickstoff und werden daher mitgezählt, obwohl sie kein vollwertiges Protein darstellen.
Wie erkenne ich Aminospiking?
Prüfe die Zutatenliste auf separate Einzelaminosäuren (Glycin, Taurin, L-Glutamin). Fordere das Aminosäureprofil an und vergleiche es mit der deklarierten Proteinquelle: Der Leucingehalt pflanzlicher Proteinisolate liegt je nach Quelle zwischen 5,1 % (Hanf) und 13,5 % (Mais). Verdächtig günstige Preise sind ebenfalls ein Warnsignal.

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